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Warum Ihre Warnhinweise niemand liest (und was hilft) - Druckversion

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Warum Ihre Warnhinweise niemand liest (und was hilft) - Johann Jörgen Schübeler - 17.10.2025

Wenn ich Anleitungen prüfe, ist eines der häufigsten Probleme die Warnhinweis-Inflation. Auf jeder zweiten Seite ein Achtung, ein Vorsicht, ein Gefahr. Manchmal acht Warnhinweise hintereinander, bevor der eigentliche Handlungsschritt kommt.

Das Ergebnis ist immer dasselbe: Der Leser überspringt sie. Komplett. Auch die, die wirklich wichtig wären.

Ich arbeite mit Redaktionen gerne mit einer einfachen Regel. Pro Handlungsabschnitt maximal zwei Warnhinweise, und die stehen direkt vor dem Schritt, auf den sie sich beziehen. Auf Seite 3 im allgemeinen Sicherheitskapitel werden sie ohnehin übersprungen. Wenn ein dritter Hinweis nötig wäre, ist das ein Zeichen, dass der Handlungsschritt selbst schlecht konstruiert ist und neu gedacht werden sollte.

Dazu kommt: Prüfen Sie die Hinweise auf tatsächliches Risiko. Viele Warnhinweise stehen drin, weil sie vor 15 Jahren mal aus einem ähnlichen Produkt übernommen wurden. Niemand hat seither hinterfragt, ob das Risiko überhaupt noch besteht. Löschen tut sich aber niemand, aus Angst vor der Haftungsfrage.

Diese Angst ist verständlich. Sie macht Ihre Dokumentation aber schlechter. Reden Sie mit Ihrer Rechtsabteilung darüber, was wirklich nötig ist. Sie werden überrascht sein.

Wie handhaben Sie das? Haben Sie eine Regel für die maximale Dichte von Warnhinweisen?


RE: Warum Ihre Warnhinweise niemand liest (und was hilft) - Johann Jörgen Schübeler - 26.10.2025

Eine Sache, die ich noch ergänzen muss: Prüfen Sie auch die Signalwörter ehrlich. Wenn jeder zweite Hinweis ein Gefahr ist, bedeutet das Wort nichts mehr. Die ANSI-Z535-Stufung ist nicht beliebig, und sie hat einen Grund. Wenn Sie alles auf Gefahr setzen, weil das sicher wirkt, erreichen Sie genau das Gegenteil.